Hamburger Energiegespräche 2025
Am 05.11. fanden die Hamburger Energiegespräche erstmals in dieser Form im Auditorium der HafenCity Universität statt. Nach der Begrüßung durch Prof. Peter Dalhoff, Sprecher des Energieforschungsverbunds Hamburg (EFH), und Jan Rispens, Geschäftsführer der Erneuerbare-Energien Hamburg Clusteragentur (EEHH), übernahm Prof. Dr.-Ing. Martin Kaltschmitt (stellv. EFH-Sprecher) die Moderation. Den inhaltlichen Einstieg bildete eine Reihe kompakter Präsentationen der beteiligten Institutionen, bevor in eine offene Podiumsdiskussion übergeleitet wurde.
Hamburger Energieversorgung: stark wachsender Bedarf und Blick über die Stadtgrenzen hinaus
Aus Sicht von Bastian Pfarrherr, Leiter Netzentwicklung und Innovation von den Hamburger Energiewerken, wurde ein enormer Anstieg der Leistung und der zukünftigen Bedarfe aufgezeigt. Insbesondere Photovoltaik, E-Mobilität und Wärmepumpen treiben sowohl Erzeugung als auch Last deutlich nach oben. Die Prognosen zeigen eine dynamische, teils exponentielle Entwicklung. Klar wurde: Hamburg ist auf überregionales Denken angewiesen – eine vollständige Eigenversorgung der Stadt ist perspektivisch nicht möglich, die Energieversorgung bleibt eng mit dem Umland verknüpft.
Nationale Perspektive: Kosteneffizienz und Prognosen als Grundlage für Entscheidungen
Jakob Schieder-Hestermann von der Deutschen Energie-Agentur (dena) stellte die bundesweite Perspektive vor. Im Mittelpunkt steht hier die Kosteneffizienz des Umbaus des Energiesystems. Der Ausbau der Infrastruktur und die regulatorischen Rahmenbedingungen sind komplex; belastbare Prognosen sind daher unverzichtbar, um Risiken von Über- oder Unterversorgung besser abschätzen zu können. Sie bilden eine wichtige Grundlage für Investitionen und für die planerische Steuerung der Energiewende.
Norddeutsches Reallabor: mehr Produktion als Verbrauch und Sektorenkopplung
Mike Blicker vom Competence Center für Erneuerbare Energien und EnergieEffizienz (CC4E) der HAW Hamburg rückte die norddeutsche Modellregion Hamburg–Schleswig-Holstein–Mecklenburg-Vorpommern in den Fokus. Dort ist absehbar, dass künftig mehr erneuerbare Energie erzeugt wird, als regional verbraucht werden kann. Daraus ergeben sich große Chancen für Sektorenkopplung: Strom, Wärme, Mobilität und Industrie müssen stärker zusammengedacht werden. Das Norddeutsche Reallabor verfolgt hierfür einen gesamtsystemischen Ansatz, der Erzeugung und Verbrauch im Norden besser verzahnen soll.
Rechtsrahmen: Umgang mit Unsicherheit und Flexibilisierung der Regulierung
Prof. Dr. Michael Fehling von der Bucerius Law School brachte die rechtswissenschaftliche Perspektive ein. Im Zentrum standen der Umgang mit Prognoseunsicherheiten, die Flexibilisierung des Regulierungsrahmens und die rechtlichen Grundlagen für Rückbau und Umrüstung von Infrastrukturen. Deutlich wurde, dass der Erfolg der Energiewende auch davon abhängt, ob das Recht genügend Spielräume für Innovation und Anpassung bietet – ohne Verlässlichkeit und Rechtssicherheit zu verlieren.
Podiumsdiskussion: Handlungsfähigkeit statt Grundsatzdebatten
Nach einer Pause mit Getränken und kleinen Snacks, die intensiv zur Vernetzung genutzt wurde, schloss sich eine lebhafte Podiumsdiskussion an. Diskutiert wurden Fragen der Versorgungssicherheit, der Handlungsfähigkeit der beteiligten Akteure sowie die Notwendigkeit eines ganzheitlichen Denkens über Sektor- und Zuständigkeitsgrenzen hinweg. Durch die Moderation von Prof. Dr.-Ing. Martin Kaltschmitt wurde mit den Diskussionsbeteiligten und unter Einbindung von Publikumsfragen ein konstruktiver Austausch erreicht. Auffällig war die pragmatische Grundhaltung: Klimawandel und globale Politik wurden nicht grundsätzlich verhandelt, sondern als gemeinsame Ausgangslage vorausgesetzt. Im Mittelpunkt stand die konkrete Ausgestaltung der Energiewende mit spürbarer fachlicher Passion.
Prof. Dr.-Ing. Tim Pucker, EFH-Beauftragter an der HafenCity Universität, fasste den Nachmittag zusammen, um ReferentInnen und GästInnen in den Abend zu entlassen.
Die Hamburger Energiegespräche haben damit einen klaren Mehrwert gezeigt: Sie bringen Versorgungspraxis, nationale Strategien, regionale Reallabore und Rechtswissenschaft an einen Tisch – und stärken so die gemeinsame Arbeit an der Energiewende in Hamburg und Norddeutschland.
Wir bedanken uns für Ihr Interesse und Ihre Teilnahme an den Hamburger Energiegesprächen.